In die Zukunft investieren: Förderung der nächsten Generation deutsch-jüdischer Leistungsträger

Einer der Wege des Leo Baeck Instituts (LBI), die Erinnerung an die Traditionen deutschsprachigen jüdischen Lebens in die Gegenwart einfließen und für die Zukunft fruchtbar zu machen, ist die Bildungsarbeit mit der heranwachsenden Generation jüdischer Verantwortungsträger in Deutschland. Zu diesem Zweck kooperiert das LBI seit einigen Jahren mit dem Ernst Ludwig Ehrlich Studienwerk (ELES).

ELES ist eines der dreizehn deutschen Begabtenförderungswerke. Benannt nach dem jüdischen Historiker und Religionswissenschaftler Ernst Ludwig Ehrlich (1921–2007), fördert ELES jüdische Studierende aller Fachgebiete in Deutschland. Die Mehrheit der ELES-Stipendiaten stammt aus der ehemaligen Sowjetunion. Andere kommen aus der kleinen jüdischen Nachkriegsgemeinde in Deutschland oder sind Israelis, die in Deutschland leben.

Stipendiatinnen und Stipendiaten des Ernst Ludwig Ehrlich Studienwerks lernen auf einer Auslandsakademie in New York DigiBaeck kennen. Mit dem Online-Portal des LBI recherchieren sie Dokumente deutsch-jüdischen Lebens. Da DigiBaeck die im LBI archivierten Materialien in digitalisierter Form weltweit zugänglich macht, können die Besucher, wieder zurück in Deutschland, das Online-Portal für ihr Studium zu Hause nutzen.

Stipendiatinnen und Stipendiaten des Ernst Ludwig Ehrlich Studienwerks lernen auf einer Auslandsakademie in New York DigiBaeck kennen. Mit dem Online-Portal des LBI recherchieren sie Dokumente deutsch-jüdischen Lebens.

Die Studierenden erhalten ein finanzielles Stipendium und werden Teil eines sich ständig erweiternden Netzwerkes. Gleichzeitig stärkt das Studienwerk durch ideelle Zuwendungen die jungen Juden auch in ihren individuellen Identitäten, ihrem Verantwortungsbewusstsein und ihrer Dialogfähigkeit. Teil der ideellen Förderung sind interdisziplinäre Seminare in Deutschland sowie Auslandsakademien in Israel und in den USA.

Das LBI hat in den vergangenen Jahren einige Element dieses Bildungsprogramms von ELES mitgestaltet. Im Mai 2016 arbeitete Frank Mecklenburg, Forschungsleiter des LBI, mit Teilnehmenden eines ELES-Seminars in Halberstadt zu Sabbath-Traditionen: „Wir haben Auszüge aus Memoiren diskutiert, die unterschiedliche Weisen beschreiben, den Sabbath zu feiern.“ Die Quellen, alle im LBI archiviert, waren in sich bereits vielfältig. Einige stammten aus dem 19., einige aus dem 20. Jahrhundert, teils aus ländlichen, teils aus städtischen Gegenden, und spiegelten traditionelle, orthodoxe und reformierte Strömungen des Judentums wider.

Im November wird erneut eine Gruppe von Stipendiatinnen und Stipendiaten zu einer Auslandsakademie nach New York reisen. Mit auf dem Programm steht, wie schon in vorangegangenen Jahren, ein Besuch im Leo Baeck Institut. „Die Studierenden werden anhand unseres Archivmaterials Familiengeschichten von deutschen Juden recherchieren und Biografi en aus der jahrhundertealten Tradition jüdischen Lebens in Deutschland nachgehen“, erklärt William Weitzer, Leiter des Leo Baeck Instituts. Auf diese Weise könnten die Studierenden sich damit auseinandersetzen, was es in der Vergangenheit bedeutet hat, Deutsche und Jüdin beziehungsweise Deutscher und Jude zu sein, und so mittelbar, aber auch in direktem Austausch mit ihren Mitstipendiaten, ihre eigenen Narrative formen.

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