Israel Jacobson Netzwerk fördert die Braunschweiger Region als Wiege der jüdischen Wissenschaft

Der Bankier Israel Jacobson (1768-1828) gründete die nach ihm benannte Jacobson-Schule in Seesen, an der erstmals jüdische und christliche Kinder unterrichtet wurden. Zugleich wurde die Schule eine der frühesten Bildungseinrichtungen der Haskala, der jüdischen Aufklärung, und Israel Jacobson selbst eine der herausragenden Persönlichkeiten der Reformbewegung.

Doch Israel Jacobson stand mit seinem revolutionären Vorstoß nicht alleine da. In der Braunschweiger Region lebten zahlreiche andere angesehene Aufklärer und Reformer, die sich für die Entstehung neuer Bildungsstätten zur Förderung und Stärkung des neuen jüdischen Selbstverständnisses einsetzten und auch jenseits des Herzogtums große Bedeutung erlangten. Hier entstanden die Wiegen der „Wissenschaft des Judentums“. In ihnen wurde gleichermaßen jüdische Kultur und Geschichte erforscht und als Element der eigenen Identität verstanden. Neben der Jacobson-Schule tat sich vor allem die Samson-Schule in Wolfenbüttel hervor, die sowohl Lehr- als auch Wirkstätte von Leopold Zunz wurde. In der gesamten Region wirkten Jüdinnen und Juden auf die Erlangung gleicher Rechte hin und beschritten den Weg der bürgerlichen Akkulturation, die sie in den kommenden Jahren zu beeindruckenden Akteuren in Politik, Wirtschaft und Kultur werden ließ.

Diese einzigartigen und heutzutage mitunter vergessenen Errungenschaften jüdischer Protagonisten möchte das Israel Jacobson Netzwerk wieder ins öffentliche Bewusstsein rücken.

Israel Jacobson gründete eine Schule, die Niedersachsen zur Wiege der jüdischen Wissenschaft machte (Braunschweigisches Landesmuseum)

Israel Jacobson gründete eine Schule, die Niedersachsen zur Wiege der jüdischen Wissenschaft machte (Braunschweigisches Landesmuseum)

Der am 6. April 2016 gegründete Verein umfasst 30 Mitglieder aus Wissenschaft, Kultur und Politik. Sie haben es sich zur Aufgabe gemacht, Interesse an der regionalen jüdischen Geschichte, Kultur, Entwicklungen und Persönlichkeiten zu wecken und neue Wege für den Umgang mit erhaltenen historischen Orten zu finden. Neben der Geschäftsstelle an der Technischen Universität Braunschweig wirken die Mitglieder des Netzwerks auch an Museen, Sammlungen, Forschungsinstituten, Initiativen und Gedenkstätten und bilden zusammen eines der international größten Cluster zu diesem Thema, das unter anderem vom Auswärtigen Amt unterstützt wird.

Trotz des starken lokalen Engagements haben die Beteiligten von Beginn an einen Fokus auf internationale Zusammenarbeit gelegt und darauf geachtet, dass der Blickwinkel der deutsch-jüdischen Diaspora auf Zeugnisse und Quellen jüdischer Geschichte berücksichtigt wird. Hierbei erhielt das Israel Jacobson Netzwerk tatkräftige Unterstützung durch das Leo Baeck Institut (LBI). Der erste öffentliche Vortrag des Netzwerks fand am 14. April 2016 im Landesmuseum Braunschweig statt. Unter dem Titel „Birnen, Bohnen und kein Speck – Jüdische Kochbücher im Archiv des Leo Baeck Institutes“ berichtete Frank Mecklenburg, Forschungsleiter des LBI, von der engen Verbindung die seit jeher zwischen Essen, kulturellem Ritus, heimatlicher Verbundenheit und dem Gefühl von Gemeinschaft bestand.

Ab November 2016 wird ebenfalls im Landesmuseum Braunschweig die Ausstellung „Von Mendelssohn zu Einstein – von Wolfenbüttel nach New York (und zurück). Jüdische Wege in die Moderne“ gastieren. Die vom LBI konzipierte Ausstellung schildert die Ursprünge der „Wissenschaft des Judentums“ und deren weltweite Rezeption. Gezeigt werden einzigartige Objekte aus den Beständen des Archivs, darunter Handschriften von Moses Mendelssohn, Heinrich Heine, Leopold Zunz oder Albert Einstein und viele weitere Exponate, die ausschließlich für diese Ausstellung in ihr Herkunftsland zurückkehren. Für die Präsentation im Landesmuseum wird die New Yorker Ausstellung durch Cord-Friedrich Berghahn, Katrin Keßler, Alexander von Kienlin, Ulrich Knufinke und Heike Pöppelmann neu eingerichtet.

Als Ehrengast wird Rabbiner Ismar Schorsch, langjähriger Präsident des LBI, die Ausstellung am 16. November 2016 im Braunschweigischen Landesmuseum eröffnen.

Hier ein Link zur Ausstellungsseite des Landesmuseums Braunschweig: Wissenschaft des Judentums

 

 

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