Konferenzen und Workshops 2016

Forced Migration and Flight, 26.-27. Oktober in Leipzig

Im Kontext aktueller Debatten um Massenflucht und Migration richtet das Leo Baeck Institut (LBI) in Zusammenarbeit mit dem Simon Dubnow Institut und der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien, Monika Grütters, einen internationalen akademischen Workshop in Leipzig aus. Mit Panelbeiträgen und Diskussionen widmet sich die zweitägige Veranstaltung „1938: Forced Migration and Flight“ dem Jahr, das für viele Juden zum Schicksalsjahr wurde.

In der Geschichte der jüdischen Migration und Flucht stellt 1938 eine zutiefst verstörende Zäsur dar. Dem „Anschluss Österreichs“, dem Münchner Abkommen und der Besetzung des Sudetenlands folgten die „Juni-Aktion“, die „Polenaktion“ und die Novemberpogrome. Die unklare Situation der Flüchtlinge innerhalb Europas stand im Mittelpunkt der Évian-Konferenz, an der Vertreter aus mehr als 30 Ländern teilnahmen. Obgleich die Konferenz ein Novum und aus heutiger Sicht wegweisend war, hat niemand die dort getroffenen Verabredungen in die Tat umgesetzt. Die nationalsozialistische „Judenpolitik“ machte eine Emigration in den folgenden Monaten nahezu unmöglich.

Der Workshop bewertet die Dynamiken der einzelnen Ereignisse von 1938 neu. Dazu rückt er die Erfahrung jüdischer Protagonisten in den Vordergrund. Zentrale Fragen sind die Rolle der Évian-Konferenz und wie sich jüdische und nicht-jüdische Auswanderungsmuster innerhalb des Jahres 1938 änderten, auf welchen Erfahrungen basierend Juden Auswanderungspläne schmieden konnten und inwiefern diese sich durch die erlebten Katastrophen wandelten. Besondere Aufmerksamkeit liegt auf dem Kontrast der damaligen Situation zu der aktuellen Migrationsdebatte in Europa und darauf, welche neuen Fragen dieser für die Migrationsforschung aufwirft.

Den öffentlichen Eröffnungsvortrag im Grassi Museum hält Debórah Dwork, Professorin und Direktorin des Strassler Center for Holocaust and Genocide Studies der Clark University in Massachusetts. Die sächsische Staatsministerin für Wissenschaft und Kunst, Eva-Maria Stange, wird die Gäste begrüßen.

 

Die Geschichte der Juden in der DDR: Forschungsansätze und neue Perspektiven, 1.-2. November in Berlin

Auch wenn die mediale Berichterstattung zur Geschichte der Juden in der DDR in den letzten Jahren zugenommen hat, weisen sowohl ihre wissenschaftliche Erforschung als auch die öffentliche Wahrnehmung nach wie vor zahlreiche blinde Flecken auf. Um darauf zu reagieren, möchte das Leo Baeck Institut (LBI) mit einem Workshop im November sowohl öffentliches Interesse am Thema wecken als auch wissenschaftlichen Austausch dazu stimulieren. Die Konferenz veranstaltet das LBI in Kooperation mit dem Jüdischen Museum und der Rosa-Luxemburg-Stiftung in Berlin.

Der erste Abend ist der Öffentlichkeit zugänglich und thematisiert die Arbeit von Jeffrey Peck. Besucher werden den heute historisch bedeutsamen Dokumentarfilm „The Sojourners – Chronik einer Rückkehr“ (1993) sehen, den Jeffrey Peck als Co-Autor des zugrunde liegenden Buches mitproduziert hat. Der Film eröffnet einen einzigartigen Blick auf die Situation jüdischer Rückkehrer zu Beginn der Wiedervereinigung. Im Anschluss können die Gäste an einer moderierten Diskussion mit dem Autoren teilnehmen. Am zweiten Tag gibt es vier Diskussionspanels, unter anderem zu Motiven der Rückkehr, „Mischehen“ und ihren Kindern, dem Studium der Juden in der DDR in den 1980er Jahren sowie dem Umgang mit Juden, Zeugnissen jüdischer Kultur und Antisemitismus von staatlicher und privater Seite.

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