Archiv, Bibliothek und Kunstsammlung

Rare Books in the David Berg Rare Book Room at the Center for Jewish HIstory

Bücher im David Berg Rare Book Room des Center for Jewish History, New York

Der Grundstock des Leo Baeck Instituts erwuchs aus dem Bemühen der Gründer, die durch den Holocaust nahezu verlorene materielle und intellektuelle Kultur deutschsprachiger Juden zu erhalten. Heute sind diese Sammlungen eine essentielle Quelle für Forscher, Genealogen, Familien, Lehrende, Schüler und die Öffentlichkeit.

Inzwischen umfassen die Bestände im Archiv, der Bibliothek und den Kunstsammlungen des Leo Baeck Institutes über 10.000 Archivalien, mehr als 2.000 Memoiren, 25.000 Fotografien, über 60.000 Bücher sowie 1.600 Zeitungen und Zeitschriften und weitere Sammlungen, die in der Archivdependance im Jüdischen Museum Berlin einsehbar sind. Zudem ermöglicht das Leo Baeck Institute New York Zugriff auf die Mikrofilme der in London ansässigen Wiener Library, einem der größten und umfassendsten Archive zum Holocaust und der Zeit des Nationalsozialismus.

Online Recherche

Mit mehr als 3,5 Millionen Seiten wurde inzwischen der Hauptteil der Sammlungen des Leo Baeck Instituts digitalisiert und ist nun über DigiBaeck unter lbi.org/digibaeck zugänglich.

Zudem wurde der Katalog des Leo Baeck Institutes in den zentralen Katalog des Center for Jewish History integriert, so dass Nutzer nun sowohl in den Beständen des LBI als auch in denen unserer Partnerorganisationen recherchieren können.

Weitere Informationen zum Archiv, der Bibliothek und den Kunstsammlungen des Leo Baeck Institutes


Archiv

LBI Archives

Dokumente aus der Ernst Drucker Sammlung im Lesesaal des Center for Jewish History.

Das Archiv des Leo Baeck Institutes bewahrt und katalogisiert über 2.000 Memoiren, 25.000 Fotografien und Millionen von einzelnen Seiten mit Korrespondenz, familiären Dokumenten, genealogischen Materialen, Geschäftsbüchern und privaten Aufzeichnungen, die nahezu jeden Aspekt der deutschjüdischen Erfahrung berühren. Ergänzt wird dieses vielseitige Material durch zahlreiche Interviews, die ein Bestandteil der „Austrian Heritage Collection“ sind.
Die Gesamtheit dieser Aufzeichnungen, die dem Archiv von Privatpersonen, Familien und Organisationen anvertraut wurden, machen das Leo Baeck Institut zum führenden Bewahrer des kollektiven Gedächtnisses des zentraleuropäischen Judentums und dokumentieren zugleich Kernelemente der sozialen und intellektuellen Entwicklung des modernen Europas. Viele dieser Unterlagen überdauerten Jahrhunderte und beleuchten gleichermaßen das Leben und Wirken von intellektuellen Koryphäen wie Albert Einstein und Joseph Roth als auch von ganz gewöhnlichen Bürgern aus allen Bevölkerungsschichten seit dem frühen 18. Jahrhundert.
Das Archiv ermöglicht somit Einblicke in eine Vielzahl unterschiedlicher Themen wie den Alltag deutschsprachiger Juden, jüdische Beiträge zu Kunst und Wissenschaft, religiöse Lehren und Forschungen, Emanzipation und Assimilation, kommerzielles Leben und Unternehmerschaft, Antisemitismus, Erfahrungen von Verfolgung, Entrechtung und Emigration, den Holocaust, Wiedergutmachungspolitik und Restitution. Vor allem die erhaltenen Gemeindebücher und familiären Aufzeichnungen sind eine wertvolle Quelle genealogischer Forschungen.

Wenn Sie Nachlässe oder andere Archivalien spenden möchten, wenden Sie sich bitte an den Forschungsdirektor Dr. Frank Mecklenburg.


Bibliothek

Bücherei des Schocken Verlags, Taschenbuchausgaben populärer jüdischer Bücher, die vom Warenhausbesitzer Salman Schocken während der Zeit des Nationalsozialismus herausgegeben wurden.

Die über 80.000 Bände beherbergende Bibliothek des New Yorker Instituts ist auf ihrem Gebiet als führende Referenzquelle bekannt. Reich an seltenen Beständen, die von Renaissance-Folianten und Schriften des 16. Jahrhunderts bis in die Gegenwart reichen, besitzt sie unter anderem Erstausgaben von Moses Mendelssohn, Heinrich Heine und Franz Kafka sowie limitierte Kunstbände.

Zugleich sammelt sie aktuelle Publikationen aus dem Forschungsbereich der deutsch-jüdischen Geschichte. Begleitet werden diese Werke durch eine umfangreiche Sammlung an Zeitungen und Zeitschriften, begonnen bei Gemeindeblättern bis hin zur größten Emigrantenzeitung dem Aufbau. Viele Werke wurden aus berühmten jüdischen Bibliotheken geborgen, deren Bestände von Nationalsozialisten konfisziert und aufgelöst wurden.
Der Hauptteil der Sammlungen thematisiert das europäische Judentum im 19. und frühen 20. Jahrhundert. Sie beinhalten aber auch Gegenwartsliteratur zu jüdischem Leben in Deutschland. Der Fokus der Sammlungen liegt dabei auf der überaus facettenreichen Kultur deutschsprachiger Juden, die sich vor allem in den Künsten, der Wissenschaft, Literatur, Philosophie und Theologie zeigte.

Bei weiteren Fragen zur Bibliothek oder Buchspenden wenden Sie sich bitte an die Bibliotheksleiterin Ginger Barna.


Kunstsammlungen

Works by Eduard Magnes, Max Liebermann , and others in LBI's storage facility at the Center for Jewish History in Manhattan. Photo: Jon Pack.

Werke von Eduard Magnes, Max Liebermann , und anderen Künstlern im Kunstlager des Center for Jewish History, New York
Foto: Jon Pack.

Die Kunstsammlung des Leo Baeck Institut umfasst ein breites Spektrum verschiedenster Kunstwerke: von frühen Stichen, die das jüdische Leben im deutschsprachigen Raum abbilden, bis hin zu abstrakten Werken deutsch-jüdischer Immigranten. Unter den tausenden von Gemälden, Skulpturen, Aquarellen, Zeichnungen und Lithografien befinden sich Werke mit größtem historischen und künstlerischen Stellenwert. Sie stammen von führenden Künstlern des letzten Jahrhunderts wie Max Liebermann, Hugo Steiner-Prag, Lesser Ury, Ludwig Meidner und Hermann Struck.

Noch wichtiger ist jedoch ihre gesellschaftliche Bedeutung, denn in ihrer Gesamtheit offenbart sich die Kunstsammlung als weltweit einmalige Dokumentation der materiellen Kultur des deutschsprachigen Judentums. So wird beispielsweise das Entstehen einer gebildeten und sich integrierenden deutsch-jüdischen Mittelschicht im 19. Jahrhundert anhand der Werke von Daniel Moritz Oppenheim offensichtlich. Seine Arbeiten und seine Karriere bezeugen eindrücklich die durch die Emanzipation errungenen neuen Möglichkeiten für Juden in der deutschen Gesellschaft. Geboren im Hanauer Ghetto wurde Oppenheim einer der ersten jüdischen Künstler, dem, obwohl strenggläubiger und praktizierender Jude, als Maler Erfolg beschieden war.

Anselm Feuerbach, Head of a Girl, 19th Century

Anselm Feuerbachs „Mädchenkopf“ wurde dem Leo Baeck Institut von den Erben eines Leipziger Pelzhändlers übergeben, die das Bild nach einem Restitutionsprozess zurückerhalten hatten.

Als visuelle Zeugnisse deutsch-jüdischer Geschichte bieten die Kunstwerke eine einzigartige Ergänzung der Bestände des Archivs und der Bibliothek. Der Illustrator Hugo Steiner Prag erschuf beispielsweise ikonische Bilder für Gustav Meyrinks 1916 erschienenen Roman „Der Golem“ und trug Zeichnungen für mehrere Bücher von E.T.A. Hoffmann und Edgar Allen Poe bei, die in der Bibliothek des Leo Baeck Instituts zu finden sind, während seine Manuskripte und Briefwechsel im Archiv aufbewahrt werden.

Ein maßgeblicher Bestandteil der Kunstsammlung sind ebenfalls die Werke von Berliner Sezessionisten wie Max Liebermann und Hermann Struck, die die Entwicklung neuer Ästhetiken und politischer Ausrichtungen zur Jahrhundertwende widerspiegeln. So verarbeitete jeder dieser Künstler die Schrecken des Ersten Weltkrieges auf seine Weise und vor allem Struck erforschte mit seinen Arbeiten ein breites Feld an jüdischen Themen und zionistischen Strömungen.

Adolf Ziegler, The Wronker Children, 1920s

Das Gemälde von Adolf Ziegler aus den 1920er Jahren zeigt die beiden Kinder von Hermann Wronker, dem Besitzer der Wronker Warenhauskette. Nur wenige Jahre später wurde Ziegler einer der Hauptvertreter der nationalsozialistischen Ästhetik und betreute als Kurator 1937 die Ausstellung „Entartete Kunst“. Wronker und seine Ehefrau wurden 1942 in Auschwitz ermordet.

Aber auch die Werke nichtjüdischer Künstler sind ein fester Bestandteil der Kunstsammlung. Vielfach wurden sie von jüdischen Sammlern oder ihren Erben dem Leo Baeck Institute gespendet und erzählen dadurch eine ganz eigene Geschichte von der Position, die Juden in der deutschen Gesellschaft teilweise innehatten, ihren Verbindungen zur Kunstwelt und ihrer aktiven Einbindung in den Zeitgeist.

Eindringliche Beispiele hierfür sind zwei Gemälde von Adolf Ziegler und Anselm Feuerbach im Besitz des Leo Baeck Instituts.

Bei Wechselausstellungen werden regelmäßig ausgewählte Werke der Kunstsammlung in der Katherine and Clifford H. Goldsmith Gallery gezeigt. Außerdem sind Kunstwerke des Leo Baeck Instituts von Museen und Galerien auf der ganzen Welt als Leihgaben für Ausstellungen angefragt und zur Verfügung gestellt worden.

Bei weiteren Fragen zur Kunstsammlung, geplanten und aktuellen Ausstellungen sowie Kunstspenden wenden Sie sich bitte an die Leiterin der Sammlungen, Renate Evers