„Das muss man mit eigenen Augen gesehen haben“ – Deutsch-jüdische Stipendiaten zu Besuch in New York

Eintauchen in New York City, auftauchen in neuen Lebenswelten: Für zwölf jüdische Studierende aus Deutschland bedeutete das im November eine Reise in die jüdisch-amerikanische Gegenwart und die deutsch-jüdische Vergangenheit. Wie Rafael Haimann, einer der Teilnehmenden, reflektiert, lernte er „durch die vielen Besuche bei jüdischen Organisationen und Gemeinden Ausprägungen eines weltoffenen und progressiven Judentums kennen, die ich in einer solchen Intensität bisher in Deutschland und Israel nicht erfahren hatte.“

Rafael war mit einigen seiner Mitstipendiaten vom Ernst Ludwig Ehrlich Studienwerk, das jüdische der deutschen Begabtenförderungswerke, aus Berlin angereist. Ihr Besuch des Leo-Baeck Instituts hat bereits Tradition. Im Center for Jewish History in der sechzehnten Strasse besichtigten die Stipendiaten neben dem LBI auch Ausstellungen der American Jewish Historical Society und die Archive YIVOs zur osteuropäischen jüdischen Geschichte. Während ihres einwöchigen Besuchs erkundeten die Studierenden einschlägige historische und kulturelle Orte New Yorks, wie das Whitney Museum of American Art und die Einwanderungsinsel Ellis Island vor den Toren der Stadt. Mit auf dem Programm standen aber auch Begegnungen mit weniger bekannten und innovativen Akteuren wie Asylum Arts, eine Organisation, die jüdische Künstler international vernetzt. Zum Shacharit, dem jüdischen Morgengebet, besuchten die Besucher B’nai Jeshurun, eine Gemeinschaft zur Förderung jüdischen Lebens und das Hebrew Union College.

Zusammen mit all diesen bunten Eindrücken färbten kleine Forschungsprojekte der Stipendiaten ihre Zeit in der vermeintlichen Hauptstadt der USA. Nach einer historischen Einführung von Frank Mecklenburg, Forschungsleiter am LBI und Atina Grossmann, amerikanische Geschichtswissenschaftlerin und Tochter jüdischer Flüchtlinge, vertieften sich die ELES-Stipendiaten in das Archiv des LBI, um in kleinen Teams zu spezifischen Fragestellungen zu recherchieren. Chawwah Grünberg und Rafael Heimann beschäftigten sich mit Anzeigen und Artikeln in jüdischen Zeitungen in Breslau von 1896 bis 1933. „Dabei war es besonders faszinierend zu sehen, wie die jüdische Gemeinschaft in Breslau sich zum deutschen Nationalismus und Antisemitismus positionierte und diese Positionen sich über die Jahre hinweg teilweise deutlich veränderten“, berichten die beiden. Alissa Frenkel und Nika London recherchierten anhand von Zeitungsausschnitten und Briefen zu jüdischen Unternehmen im nationalsozialistischen Deutschland und wie es diesen nach ihrer Übersiedelung in die USA ging. Andere Studierende vollzogen die Fluchtbewegungen und -erfahrungen von Juden nach Südostasien nach, analysierten die Korrespondenz zwischen daheimgebliebenen und in die USA geflüchteten deutschen Juden hinsichtlich deren jüdischer Identität und diskutierten anhand der LBI-Archivalien die Relevanz und Entwicklung jüdischer Kaufhäuser in Deutschland vor der Machtübernahme durch die NSDAP. Für Teilnehmerin Elina Schkolnik war die Auslandsakademie in New York eine besondere Zeit: „Solch wichtige Persönlichkeiten und Organisationen aus allen Spektren jüdischen Lebens in New York kennenzulernen ist eine einmalige und unabdingbare Erfahrung. (…) Das jüdische Leben New Yorks muss man mit eigenen Augen gesehen haben, um zu verstehen, wie auch in Deutschland der Blick auf eine selbstverständlichere jüdische Identität entstehen kann.“

Leo-Baeck-Medaille 2017 für Max Warburg

Der Hamburger Bankier Max Warburg erhielt die Leo-Baeck-Medaille 2017. Das LBI würdigt damit Warburg für sein persönliches Engagement für jüdische Institutionen wie das Israelitische Krankenhaus in Hamburg, sowie für seine Verdienste um den Erhalt der deutsch-jüdischen Geschichte, u.a. durch den Aufbau der Stiftung Warburg Archiv.

Wissen auf der Flucht – Eine multidisziplinäre Konferenz über die institutionelle Hilfe für politisch verfolgte Wissenschaftler

Am 4. und 5. Dezember 2017 trafen sich unter dem Schlagwort „Wissen auf der Flucht“ Akademikerinnen und Akademiker unterschiedlicher Disziplinen in New York, um das bestehende Wissen über die geleistete sowie ausgebliebene Unterstützung für Gelehrte – Akademiker, Intellektuelle und Wissenschaftler – aus bedrohten und intellektuell unterdrückten politischen Kontexten zu vertiefen. Das LBI hatte sich mit der New School for Social Research in New York und dem Deutschen Historischen Institut in Washington D.C. zusammengetan, um das akademische Treffen an der New School in Manhattan auszurichten – einer Institution, deren Geschichte der Rettung von Wissenschaftlern selbst Gegenstand der Tagung wurde.

Der Edythe-Griffinger-Kunstkatalog offenbart eine verborgene Sammlung

Seit einem Jahr wächst der Kunstkatalog des LBI im World Wide Web. Im Januar 2017 wurde der Edythe-Griffinger-Katalog mit 1000 digitalisierten Werken aus der LBI Kunstsammlung online freigeschaltet. Die Schenkung an einen Treuhandfonds nach dem Willen der verstorbenen Edythe Griffinger ermöglichte dem LBI nicht nur die Entwicklung des neuen Online-Portals für digitalisierte Kunstwerke. Sie erlaubte außerdem Kuratoren und Bibliothekaren eine sorgfältige Auswahl der wichtigsten Kunstwerke vorzunehmen und die Metadaten im Katalog zu verbessern, so dass Nutzer des Katalogs nun Zugriff haben auf Kunstwerke, die bisher kaum öffentlich zugänglich waren.

Zu Besuch im Deutschen Literaturarchiv Marbach

Renate Evers, Leiterin der Sammlungen im LBI, besuchte auf Einladung des Forschungsverbunds Marbach-Weimar-Wolfenbüttel das Deutsche Literaturarchiv Marbach (DLA) . Eine Woche lang hatte sie die Gelegenheit, die Bestände und Aktivitäten des führenden Archivs der Quellen deutschsprachiger Literatur kennenzulernen. Gemeinsame mit ihren Marbacher Kolleginnen und Kollegen und entdeckte sie viele Gemeinsamkeiten zwischen unseren Institutionen und damit verbunden Möglichkeiten, zukünftig zusammen zu arbeiten.

Das „1938Projekt” – Posts from the Past, 80 Jahre danach

In einer Wanderausstellung und einem neuen Online-Projekt zeigt wir zusammen mit einer Reihe an internationalen Partnerarchiven das Jahr 1938 aus der Sicht von Jüdinnen und Juden. Die persönlichen Dokumente schildern sowohl ihre eigenen Erfahrungen und erlittenen Nöte als auch die wachsenden Spannungen in Europa und die schwindende Hoffnung für Juden in Deutschland und Österreich.

Hilfe für geflüchtete Akademiker: Ein Gespräch mit Henry Kaufman

Die Archive im Leo-Baeck-Institut sind voll von Dokumenten von Akademikerinnen und Akademikern, die – dank Hilfe aus dem Ausland – vor den Nazis fliehen konnten. Das Institut für Internationale Bildung (IIE) vermittelte seinerseits unter Federführung von Edward R. Murrow über 330 Akademikerinnen und Akademiker. Die Liste der Namen kommt einer Auflistung der Archivsammlungen im LBI gleich. Kaufman und ein weiterer deutscher Jude, der ebenfalls als Kind geflüchtete Psychiater und Investor Henry Jarecki, halfen 2002 einen mehrere Millionen Dollar schweren Fonds am IIE einzurichten. Mit ihm konnte das IIE in den letzten 15 Jahren über 700 politisch bedrohte Akademiker in über 50 Länder vermitteln.

1938Projekt | Posts from the Past

Das Leo Baeck Institute zeigt das Jahr 1938 aus der Sicht von Jüdinnen und Juden in einem Online-Projekt und einer Wandersausstellung in Deutschland. Ihre persönlichen Dokumente schildern sowohl ihre eigenen Erfahrungen und erlittenen Nöte als auch die wachsenden Spannungen in Europa und die schwindende Hoffnung für Juden in Deutschland und Österreich.

1938Projekt | Commemorating 80 Years Since 1938

Online and in a companion exhibition at the Center for Jewish History, LBI presents the year 1938 through the eyes of Jews, whose personal documents detail their experiences and the hardships they suffered.

Gerald Westheimer Career Development Fellowship

Moritz Steinschneider writing at his desk

Apply by March 1 for this grant to support scholars working in the field of German-Jewish history.